Keith Jarretts «Köln Concert»

Jazz
11., 25. und 26. Juli, 5. August 2026
Maki Namekawa, Charl du Plessis Trio, Levy Sekgapane und Matthew Hunt

Vielleicht wird sich die japanische Pianistin Maki Namekawa etwas tiefer über die Tasten beugen als üblich, so wie einst Keith Jarrett, als er seine später weltberühmt gewordene Tonfolge G-D-C-G-A in die Welt schickte. Erinnern Sie sich? Mit diesem einfachen Motiv beginnt Jarretts «Köln Concert». Es handelt sich dabei um ein Solokonzert, eine ikonisch gewordene, gut einstündige Improvisation, die mit seinem unwiderstehlichen Groove, seinen nachdenklich-lyrischen und gospelartigen Teilen auch heute, ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung, in den Bann zieht.

Eine Winternacht im Jahr 1975

Die Geschichte des Stücks ist legendär. Es war der 24. Januar 1975, nachmittags in der Kölner Oper. Der grosse Saal, den die erst 18-jährige Konzertveranstalterin Vera Brandes gebucht hatte, war ausverkauft. Doch sie war der Verzweiflung nahe. Sie erwartete Keith Jarrett, den aussergewöhnlichen US-amerikanischen Pianisten, der sowohl Jazz als auch Klassik beherrschte. Doch es war der falsche Flügel geliefert worden. Auf der Bühne stand ein altes Probeinstrument, kaum spielbar, verstimmt und mit klemmenden Tasten. Ein Fiasko!

Das Konzert schien zu scheitern, bevor es begonnen hatte. Der Klavierstimmer tat sein Bestes, um den Flügel zurechtzumachen. Kurz vor Mitternacht war der Flügel bereit. Der ausverkaufte Saal brodelte, und Keith Jarrett war trotz aller Unannehmlichkeiten bereit, zu spielen. Der Pianist sei plötzlich gar in euphorischer Spiellaune gewesen, erinnert sich Manfred Eicher. Der Geschäftsführer von ECM Records hatte den Pianisten auf dem Beifahrersitz seines Renaults 4 von der Schweiz nach Köln gefahren und entschied, die Mikrofone laufen zu lassen.

Das meistverkaufte Jazz-Album

Der Abend wurde zur Sensation. Der Mitschnitt wurde als «The Köln Concert» zum meistverkauften Jazz- und Klavier-Soloalbum aller Zeiten. Das Cover mit dem schlichten Schwarz-Weiss-Foto, auf dem Jarrett tief über die Tasten gebeugt zu sehen ist, hat sich als ikonisches Foto im Gedächtnis eingebrannt. 2025 feierte der Pianist, der nach einem Schlaganfall keine Konzerte mehr gibt, seinen 80. Geburtstag. Sein «Köln Concert» ging um die Welt, auch als Soundtrack für Ballett und Film. In den 1990er-Jahren erschien eine von Jarrett autorisierte Transkription des Werks, seither kann das einst aus dem Stegreif entstandene Werk Note für Note nachgespielt werden. Bei Maki Namekawa, die mit Jarrett persönlich befreundet ist, und die in Ernen schon mehrfach zu hören war, ist Jarretts Musik in den besten Händen. Ihre Hommage an eine Sternstunde der neueren Musikgeschichte, sollte man nicht verpassen.

Neue und vertraute Gesichter

Nicht fehlen dürfen bei den sommerlichen Jazzkonzerten die Auftritte des Pianisten Charl du Plessis. Dieses Mal bringt er Levy Sekgapane nach Ernen mit. Der international gefragte, junge Belcanto-Tenor kommt wie du Plessis aus Südafrika und war unter anderem bei den Salzburger Festspielen und am Opernhaus Zürich an der Seite von Cecilia Bartoli zu erleben. Man darf gespannt sein, mit welchen Tricks ihn Charl du Plessis in die Welt des Jazz entführen wird.

Charl du Plessis gibt noch zwei weitere Konzerte: Sein Trio präsentiert anlässlich seines 20-jährigen Musikdorf-Jubiläums eine vielfältige Auswahl an Stücken aus der ganzen Musikgeschichte, immer mit einem überraschenden, jazzigen Twist. Und von du Plessis’ sensationellem Aufeinandertreffen mit dem Klarinettisten Matthew Hunt im Sommer 2025 gibt es auch 2026 eine Neuauflage.

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Geschrieben im November 2025, von Marianne Mühlemann

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