Affetti italiani | Barock 2026

G. Brescianello: Ouverture-Suite g-Moll für 2 Oboen, Streicher und B. c.
A. Vivaldi:
Arien «Se il cor guerriero» (Tito Manlio RV 738), «Gelido in ogni vena» (Farnace RV 711), «Terribile è lo scempio» (La Silvia RV 734)
Konzert a-Moll für Oboe, Streicher und B. c. RV 461
E. F. Dall’Abaco: Konzert B-Dur für 4 Streicher und B. c. op. 2 Nr. 9
G. F. Händel:
Sonate B-Dur für 2 Oboen und B. c. HWV 380
Arien «Come rosa in su la spina» (Apollo e Dafne HWV 122), «Nel mondo e nell’abisso io non pavento» (Riccardo Primo HWV 23), «Sibilar gli angui d’Aletto» (Rinaldo HWV 7)

Barockkonzert 3 | Freitag, 24. Juli 2026, um 20 Uhr, Kirche Ernen

Für dieses Programm hat Nahuel Di Pierro zweimal drei Arien aus unterschiedlichen Werken von Antonio Vivaldi bzw. Georg Friedrich Händel zusammengestellt, die sich trotz diverser Stoffherkunft gut aufeinander beziehen lassen. Neben Vivaldis Oboenkonzert mit dem stürmischen Finale, Dall’Abacos Streicherkonzert voll dramatischer Anspielungen sowie Händels typischer Triosonate (da Chiesa) ergänzt die eröffnende grosse Ouverture-Suite von Brescianello das Programm. Der Italiener war ab 1715 kurzzeitig Kollege Dall’Abacos in der bayerischen Hofkapelle, bevor er weiterzog nach Stuttgart, wo er bis zum Lebensende blieb. Er zeigt in diesem Werk die souveräne Beherrschung der französischen Orchestersprache.

Der erste Teil mit Arien Vivaldis beginnt mit Titos Arie «Se il cor guerriero» aus Tito Manlio. Darin ermahnt der strenge Vater seinen Sohn, keinen Kampf anzuzetteln, wenn der Römer das Lager der befeindeten Latiner auskundschaften geht. Nur der Senat habe die Autorität, über Leben und Tod zu entscheiden.

Genau diese Autorität nimmt in der Oper Farnace die Titelfigur für sich in Anspruch: Der Sohn des pontischen Königs Mitridate befiehlt unter dem Druck seiner Niederlage gegen die Römer seiner Frau Tamiri, sich selbst und den gemeinsamen Sohn zu töten. Diese verweigert dies und versteckt den Sohn, so dass Farnace, gepackt von Vatergefühlen und in falschem Glauben, sein Sohn sei tot, in der Arie «Gelido in ogni vena» dem Schmerz über seine Gefühlskälte Ausdruck verleiht. Vivaldi zitiert zur Veranschaulichung der Kälte die Musik aus dem «Winter» seiner Vier Jahreszeiten. Die Handlung ist durchzogen von vielfachem Verrat, der auch Ausgangspunkt der Arie «Terribile è lo scempio» aus dem Pastoral-Drama La Silvia (Mailand, 1721) ist.

Die Musik der Oper ist nur unvollständig überliefert. So sind von dieser Arie nur die Verse überliefert, die Musik ist eine Adaption der textlich fast gleichen Arie «Orribile lo scempio» aus Tito Manlio (Mantua, 1719). In «Terribile è lo scempio» rügt der Hirte Faustulo die Nymphe Nerina, die aus Eifersucht (aufgrund eines Missverständnisses) ihren Geliebten Egisto und dessen Schwester Silvia an die Hohepriesterin verraten hat – Egisto und Silvia hätten als Kinder des entmachteten ehemaligen Herrschers schon längst getötet bzw. eingesperrt worden sein sollen. Das anstehende Menschenopfer (Egisto und Silvia) wird aber dadurch verhindert, dass Egistos Freund Tirsi im Tempel als Inkarnation des Mars erscheint und gegenüber Silvia prophezeit, sie werde zwei Helden gebären – gemäss der Legende sind dies Romulus und Remus, die Gründer Roms.

Auch Händels drei Arien zeigen selbstbewusste Charaktere, die doch alle in ihren Vorhaben scheitern: Der Gott Apollo versucht vergeblich, die Nymphe Daphne für sich zu gewinnen, da hilft auch seine bildhafte und wunderschöne Warnung vor der Vergänglichkeit der Schönheit «Come rosa in su la spina» nicht (Apollo e Dafne, 1710).

In Riccardo Primo (London, 1727) versucht Isacio, der Herrscher über Zypern, mit einer List Costanza zu ergattern, die Verlobte des Richard Löwenherz, ein Vorhaben, das auffliegt. Im Kampf, den Isacio verlieren wird, bedroht Isacio Costanza und beteuert seine Furchtlosigkeit und den Willen, Costanza lieber zu töten als freizugeben (Arie «Nel mondo e nell’abisso io non pavento»).

Auch Rinaldo (London, 1711) spielt in der Zeit der Kreuzzüge. Hier beteuert der König des von den Christen belagerten Jerusalem, Argante, seine Standhaftigkeit mit selbstbewusster Musik («Sibillar gli angui d’Aletto»), obwohl er eigentlich mit schlechten Karten vor Goffredo (Gottfried von Bouillon) tritt, um diesen um einen dreitägigen Waffenstillstand zu bitten.

Jonathan Inniger

Giuseppe Brescianello ca. 1690–1758
Ouverture-Suite g-Moll für zwei Oboen, Streicher und B. c.
Ouverture – Gavotte – Aria. Presto – Rondeau – Aria. Siciliana adagio – Aria – Rigaudon – Gigue

Antonio Vivaldi 1678–1741
Arie des Tito «Se il cor guerriero» für Bass und Ensemble
aus der Oper Tito Manlio RV 738

Arie des Farnace «Gelido in ogni vena» für Bass und Ensemble
aus der Oper Farnace RV 711

Arie des Faustulo «Terribile è lo scempio» für Bass und Ensemble
aus der Oper La Silvia RV 734

Konzert a-Moll für Oboe und Streicher RV 461
Allegro non molto – Larghetto – Allegro

Evaristo Felice Dall’Abaco 1675–1742
Konzert B-Dur für vier Streicher und B. c. op. 2 Nr. 9
Andante – Allegro e spiccato – Largo – Allegro

Georg Friedrich Händel 1685–1759
Sonate B-Dur für zwei Oboen und B. c. HWV 380
Adagio – Allegro – Largo – Allegro

Arie des Apollo «Come rosa in su la spina» für Bass und Ensemble
aus der Kantate Apollo e Dafne HWV 122

Arie des Isacio «Nel mondo e nell’abisso io non pavento» für Bass und Ensemble
aus der Oper Riccardo Primo, Re d’Inghilterra HWV 23

Arie des Argante «Sibilar gli angui d’Aletto» für Bass und Ensemble
aus der Oper Rinaldo HWV 7

Nahuel Di Pierro, Bass
Aernen Barock, Leitung Ada Pesch und Deirdre Dowling

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