Ewige Ströme | Barock 2026

J. F. Fasch: Konzert g-Moll für 2 Oboen, Fagott, Streicher und B. c. FaWV L: g4
J. S. Bach: Kantate «Der Friede sei mit dir» BWV 158
C. Graupner: Kanon-Sonate B-Dur für 2 Oboen und B. c. GWV 218
G. F. Händel: Kantate «Cuopre tal volta il cielo» HWV 98
G. Ph. Telemann: Konzert für 2 Violinen, Viola und B. c. TWV 43:D4
G. F. Händel:
«Vouchsafe, o Lord» (Dettinger Te Deum HWV 283)
«Revenge, Timotheus cries» (Alexander’s Feast HWV 75)

Barockkonzert 2 | Mittwoch, 22. Juli 2026, um 20 Uhr, Kirche Ernen

Die Vokalwerke dieses Programms zeigen verschiedene Arten der Macht, in einen Flow zu kommen: Um die Erwartung des himmlischen Friedens – Ideal einer Welt in harmonischem Fluss – geht es in der Bach-Kantate, in Händels «Vouchsafe, o Lord» wird darum gebeten, sündenfrei zu bleiben, um diesen himmlischen Frieden zu verdienen. Händels Kantate «Cuopre tal volta» lässt im (weltlichen) Himmel nicht lau fliessende Luftströme, sondern regelrechte Stürme aufziehen. Und die grosse Arie «Revenge, Timotheus Cries» aus Alexander’s Feast dreht sich um die Macht der Musik, mit der Timotheus die Gefühle Alexanders ins Fliessen bringen kann – hier durch die zunächst kriegerische und später fahl geisterhafte Musik.

Bachs Kantate «Der Friede sei mit dir» hat eine unklare Überlieferungsgeschichte und steht inhaltlich zwischen dem Simeonstag (Mariä Reinigung) und dem Osterfest. Im ersten Rezitativ wird dreimal arios die Friedensbotschaft Gottes mit der Ostergeschichte verknüpft («Der Fürste dieser Welt […] ist durch des Lammes Blut bezwungen und gefällt»). Die Arie «Welt, ade» zeigt den lebensgesättigten Simeon mit seiner Absage an das Weltgetümmel, begleitet von dem in seiner Aussage gleichen Choral (Albinus/Rosenmüller, 1649) sowie von einer virtuos konzertanten Violine – ein Hinweis auf die Entstehungszeit in Weimar, wo Bach ab 1714 als Konzertmeister glänzen wollte. Das zweite Rezitativ bezieht sich im Wunsch, das irdische Leiden mit den «himmlischen Kronen» zu tauschen, wieder auf die Abschiedsmetaphorik des Simeonstags, während der Schlusschoral (Luther, 1524) die Erlösung durch das Martyrium Christi bekräftigt.

April bis Juni 1708 verbrachte der damals 23-jährige Georg Friedrich Händel in Neapel, der damals drittgrössten Stadt Europas (nach Paris und London). Hier schrieb er seine virtuosen Werke für Bass (darunter die einzigartige Bass-Partie von Aci, Galatea e Polifemo) vermutlich für Domenico Antonio Manna, der nicht nur Priester war, sondern als Gesangsvirtuose berühmt wurde – noch 1723 wurde er von der Gazzetta di Napoli als «einer der vier besten Virtuosen der Stadt» bezeichnet. Auch in der Kantate «Cuopre tal volta» verlangt Händel dem Solisten grosse Intervallsprünge und bemerkenswerte Geläufigkeit ab, besonders in der ersten Arie, in der ein wilder Sturm mit Donner und Blitz («Tuona, balena») als Symbol für den Aufruhr in der Seele des Sängers angesichts der grausamen Verachtung durch die Geliebte gezeichnet wird, während in der Schlussarie der musikalische Fokus auf der Bitte nach Mitleid liegt.

Eröffnet wird das Konzert mit einem Oboen-Doppelkonzert von Johann Friedrich Fasch, der als Kapellmeister von Anhalt-Zerbst mit seinem überregionalen «Musicalien-Wechsel» einen beachtlichen Flow des Manuskript-Tauschs anregte. An diesem Austausch war auch Graupner beteiligt, der 1713 als Hofkapellmeister in Darmstadt den damals 25-jährigen Fasch während 14 Wochen freundlich aufgenommen und in Komposition unterrichtet hatte. Graupners Sonate besteht aus sechs strengen Kanons der Oboen mit Continuo-Begleitung und zeigt, dass nicht nur Bach ein Meister im Verbinden von Kontrapunktik und gefälligen Sätzen war.

In Darmstadt ist auch Telemanns Streicherkonzert D-Dur überliefert, das dieser 1752 in Paris als eines seiner Quatuors mit Flöte anstelle der ersten Violine im Druck veröffentlichte. Telemann schuf in diesem Werk einen zauberhaften Anfang mit dem wellenartigen Adagio und zeigt in den vierstimmigen Fugen der Allegro-Sätze, dass auch er Kontrapunktik hervorragend in packende Musik verwandeln konnte.

Jonathan Inniger

Johann Friedrich Fasch 1688–1758
Konzert g-Moll für zwei Oboen, Fagott, Streicher und B. c. FaWV L:g4
Allegro – Andante – Allegro

Johann Sebastian Bach 1685–1750
Kantate «Der Friede sei mit dir» für Bass und Ensemble BWV 158
Rezitativ «Der Friede sei mit dir»
Arie «Welt, ade, ich bin dein müde»
Rezitativ «Nun, Herr, regiere meinen Sinn»
Choral «Hier ist das rechte Osterlamm»

Christoph Graupner 1683–1760
Kanon-Sonate B-Dur für zwei Oboen und B. c. GWV 128
Grave – Tempo giusto – Adagio – Allegro – [Adagio] – Menuett

Georg Friedrich Händel 1685–1759
Kantate «Cuopre tal volta il cielo» für Bass und Ensemble HWV 98
Rezitativ «Cuopre tal volta il cielo»
Arie «Tuona, balena»
Rezitativ «Così fiera procella»
Arie «Per pietà de’miei martiri»

Georg Philipp Telemann 1681–1767
Konzert für zwei Violinen, Viola und B. c. TWV 43:D4
Adagio – Allegro – Adagio – Allegro

Georg Friedrich Händel
Arie «Vouchsafe, o Lord» für Bass und Ensemble
aus dem Dettinger Te Deum HWV 283

Arie «Revenge, Timotheus cries» für Bass und Ensemble
aus der Ode Alexander’s Feast; or, the Power of Music HWV 75

Nahuel Di Pierro, Bass
Aernen Barock, Leitung Ada Pesch und Deirdre Dowling

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