Klassiker | Trio Gaspard

Joseph Haydn: Klaviertrio As-Dur Hob. XV:14
Bohuslav Martinů: Klaviertrio Nr. 2 d-Moll H. 327
Antonín Dvořák: Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65

Kammerkonzert 6 im Rahmen von Kammermusik kompakt | Sonntag, 5. Juli 2026, um 14.30 Uhr, Kirche Ernen

Die drei Werke des Schlusskonzerts sind allesamt mustergültige – und damit klassische – Ausformungen des Klaviertrios als Gattung. Das Trio As-Dur von Joseph Haydn, der mit seinen etwa 40 Trios die Gattung wesentlich prägte, zeigt exemplarisch Haydns Experimentierfreude: Während sich der Kopfsatz leichtfüssig verspielt gibt, weist die Musik der Durchführung schon auf Schubert voraus, denn plötzlich lässt Haydn für zwei Takte Schweigen herrschen und überrascht mit unvermitteltem Ges-Dur (anstatt der erwarteten Auflösung nach B-Dur), um später enharmonisch umgedreht nicht in Ces-Dur sondern in H-Dur die vermeintliche Reprise folgen zu lassen, die erst nach vielen Takten als Schein-Reprise entlarvt wird durch die tatsächliche Reprise (in der Ausgangstonart As-Dur), vermittelt durch eine Modulation via Dis-Dur! Das liedhafte Adagio überrascht nicht nur durch die Wahl der weit entfernten Tonart E-Dur, sondern auch durch die reich ornamentierte Klavier-Fantasie im Mittelteil. Wiederum vermittelt via Dis-Dur folgt ohne Unterbruch das beschwingt verspielte Rondo-Finale.

Bohuslav Martinů liebte die Musik Haydns und nahm die von Haydn im Klaviertrio bevorzugte Dreisätzigkeit als Ausgangslage für sein 1950 komponiertes Trio d-Moll, dessen Finalsatz im Stile eines mehrheitlich heiteren Perpetuum mobile den Geist vieler Finalsätze Haydns atmet, während eine eigenartig mystische Nervosität den Kopfsatz beherrscht, gefolgt vom Klagegesang im Mittelsatz. Immer wieder dringen auch spezifisch tschechische Anklänge durch, die auf dem Gebiet des Klaviertrios ihren höchsten Ausdruck in den Dumky von Antonín Dvořák fanden (komponiert 1891). Dessen 1882/83 entstandenes Trio f-Moll hingegen ist in Anlehnung an den Mentor Johannes Brahms (und damit an Beethoven) eher klassizistisch – besonders im dramatischen Kopfsatz –, wenn auch das Scherzo mit seinem slawischen Tanzthema, das Poco adagio mit volksliedhaften Melodien und das an den böhmischen Furiant erinnernde Finalthema die Herkunft des Werks keineswegs verleugnen.

Jonathan Inniger

Joseph Haydn 1732–1809
Klaviertrio As-Dur Hob. XV:14
Allegro moderato
Adagio
Rondo. Vivace

Bohuslav Martinů 1890–1959
Klaviertrio Nr. 2 d-Moll H. 327
Allegro moderato
Adagio
Allegro

Antonín Dvořák 1841–1904
Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65
Allegro ma non troppo
Allegretto grazioso
Poco adagio
Finale. Allegro con brio

Trio Gaspard:
Jonian Ilias Kadesha, Violine
Vashti Hunter, Violoncello
Nicholas Rimmer, Klavier

Wie schon 2024 umspannt das dichte Wochenend-Programm mit dem Trio Gaspard Anfang Juli 2026 die gesamte Klaviertrio-Geschichte vom prägenden Übervater Joseph Haydn bis zur Uraufführung eines Werks von Giovanni Sollima. Dabei erklingen neben den Klaviertrio-Klassikern wie Beethoven, Schubert, Robert und Clara Schumann, Dvořák und Fauré auch seltener gehörte Werke aus der umfangreichen Klaviertrio-Literatur: Vertreten ist der Vater der französischen Kammermusik, Camille Saint-Saëns, ebenso wie seine Pariser Kolleg*innen Lili Boulanger, Mel Bonis – die als Erner «Composer to Discover» mit ihrem Gesamtwerk für Klaviertrio vertreten ist –, deren Klassenkamerad Claude Debussy sowie die über viele Jahre in Paris lebenden Joaquín Turina und Bohuslav Martinů. Zudem kommt neben dem folkloristisch gefärbten Trio des Armeniers Arno Babadschanjan auch das Opus 1 des Wiener Wunderkindes Erich Wolfgang Korngold zur Aufführung, kontrastiert durch Musik des Jahrhundert-Violinisten Fritz Kreisler.

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