Luftstrom | Kammermusikfest 2026
Wolfgang Amadeus Mozart: Quartett D-Dur für Querflöte, Violine, Viola und Violoncello KV 285
Camille Saint-Saëns: Sonate Es-Dur für Klarinette und Klavier op. 167
Francis Poulenc: Sonate für Querflöte und Klavier FP 164
Jean Françaix: Trio für Klarinette, Viola und Klavier (1992)
Festkonzert 1 | Sonntag, 2. August 2026, um 18 Uhr, Kirche Ernen
Klänge wandern durch den Raum, weil die Luft in Schwingung gebracht wird. Offensichtlich ist der Luftstrom als Grundlage der Musik bei Blasinstrumenten, die im Fokus dieses Programms stehen. Dabei ist Frankreich das Zentrum, obwohl die Querflöte und die Klarinette im 18. und 19. Jahrhundert massgeblich von deutschen Instrumentenbauern entwickelt worden sind.
Wolfgang Amadeus Mozart war 21-jährig, als er mit seiner Mutter auf eine längere Reise ging, um an den Adelszentren von München, Mannheim und Paris eine Anstellung zu suchen. In Mannheim beauftragte ihn der Amateurflötist Ferdinand de Jean mit der Komposition von Flötenquartetten und -konzerten, von denen Mozart jedoch nur je ein Werk neu schrieb, vielleicht auch weil er seine erste grosse Liebe, Aloysia Weber, kennenlernte. Am Weihnachtstag 1777 vollendete er das Flötenquartett, das mit dem konzertanten und eleganten Kopfsatz, dem serenadenhaften Adagio und dem spielerischen Rondo-Finale zum Standardwerk der Gattung wurde. Am Silvestertag 1777 verstarb in München der bayerische Kurfürst, woraufhin der in Mannheim residierende Kurfürst die Reiche vereinte und nach München zog – schlagartig verlor Mannheim seine Rolle als Regierungssitz und bedeutendes europäisches Kulturzentrum, was auch Mozart veranlasste, weiterzureisen nach Paris.
In Paris verbrachte Camille Saint-Saëns den grössten Teil seines Lebens, obwohl er auch viele ausführliche Reisen machte und mit fortschreitendem Alter seine Winter gerne im milderen Klima von Algier verbrachte. Hier begann er in seinem letzten Lebensjahr 1921 die Arbeit an mehreren Sonaten für Blasinstrumente mit Klavierbegleitung, von denen er je eine für Klarinette, Oboe und Fagott vollenden konnte. Der intim singende Anfang der Sonate – er erinnert an die späten Klarinettenwerke von Brahms – ist der Auftakt zu einem Spätwerk des 85-Jährigen, das mit dem gelösten Scherzo, dem feierlich traurigen Lento und dem virtuosen Finale an dem für Saint-Saëns typischen Klassizismus festhält und sich mit der abschliessenden Rückkehr der Anfangsmusik an die zyklische Idee der Sonaten von César Franck anlehnt.
Letzteres gilt auch für die dreisätzige Flötensonate von Francis Poulenc, deren melancholisches Anfangsthema am Ende des rasanten Presto giocoso zurückkehrt und dem Werk eine Abgeschlossenheit verleiht. Die Sonate ist durchzogen von Poulencs typischer Mischung aus bittersüsser Eleganz, ironischem Witz und einem sentimentalen Grundgefühl, das besonders in den langen Melodiebögen des zweiten Satzes eine seiner schönsten Ausprägungen findet. Diese neoklassizistische Sonate entstand 1957 als Auftragswerk der Coolidge Foundation, die das langjährige Mäzenatentum in der Kammermusik der amerikanischen Pianistin Elizabeth Sprague Coolidge weiterführte.
Gleich wie Poulenc wurde Jean Françaix oft abwertend als gehobener Unterhaltungskomponist bezeichnet, was ihm überhaupt nichts ausmachte – er bekannte sich zeitlebens zu einer «musique pour faire plaisir». Das Trio für Klarinette, Bratsche und Klavier ist eine neoklassizistische Suite, bei der jeder Satz mit demjenigen Ton oder Akkord beginnt, mit dem der vorherige aufgehört hatte. Das Prélude ist intim und gesanglich, danach folgen ein burlesk virtuoses Allegrissimo, ein rhythmisch vertracktes Scherzo, ein mystisch singendes Largo und ein ausgelassen verspieltes Presto.
Jonathan Inniger
Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791
Quartett D-Dur für Querflöte, Violine, Viola und Violoncello KV 285
Allegro – Adagio – Rondeau. Allegro
Manuel Astudillo Quintero, Querflöte
Daniel Bard, Violine
Alinka Rowe, Viola
Chiara Samatanga, Violoncello
Camille Saint-Saëns 1835–1921
Sonate Es-Dur für Klarinette und Klavier op. 167
Allegretto – Allegro animato – Lento – Molto allegro
Matthew Hunt, Klarinette
Alasdair Beatson, Klavier
Francis Poulenc 1899–1963
Sonate für Querflöte und Klavier FP 164
Allegro malinconico – Cantilena. Assez lent – Presto giocoso
Manuel Astudillo Quintero, Querflöte
Francesco Granata, Klavier
Jean Françaix 1912–1997
Trio für Klarinette, Viola und Klavier (1992)
Prélude – Allegrissimo – Scherzando – Largo – Presto
Matthew Hunt, Klarinette
Lilli Maijala, Viola
Joonas Ahonen, Klavier