Mihály Berecz | Klavier 2026
Joseph Haydn: Klaviersonate Es-Dur Hob. XVI:38
Hélène de Montgeroult: Klaviersonate f-Moll op. 5 Nr. 2
Béla Bartók: «Nóta», «Dudamuzsika», «Ostinato» (Nr. 116, 138, 146, Mikrokosmos Sz. 107)
Béla Bartók: Im Freien Sz. 81
Robert Schumann: Kreisleriana op. 16
Klavierrezital 1 mit Mihály Berecz | Sonntag, 12. Juli 2026, um 18 Uhr, Kirche Ernen
Joseph Haydn nimmt in der Geschichte der klassischen Musik als Begründer der modernen Sinfonie und des Streichquartetts eine zentrale, schon zu seinen Lebzeiten allgemein anerkannte und bewunderte Rolle ein. Haydns ebenso grosse Bedeutung für die Geschichte der Klaviermusik ist jedoch bis heute noch nicht vollständig ins Bewusstsein von Pianisten und Hörern getreten, auch wenn sich grosse Pianisten wie Alfred Brendel und András Schiff dafür eingesetzt haben. Mit 52 Klaviersonaten steuerte Haydn mehr Werke zu dieser Gattung bei als Beethoven und Mozart zusammen. Entstanden für Klavichord, Cembalo und Hammerklavier, sind ihre Formen, Ideen und Spieltechniken ebenso vielfältig. Die Sonate Es-Dur Hob. XVI:38 veröffentlichte Haydn 1780 als vierte von insgesamt sechs Sonaten, die Haydn seinen Klavierschülerinnen Katharina und Marianne Auenbrugger widmete. Jede Sonate ist dreisätzig angelegt: Ein langsamer Satz bildet das Zentrum und ein schneller Satz das Finale (hier in der Form eines Menuetts).
Die französische Pianistin und Komponistin Hélène de Montgeroult, eine Generation jünger als Haydn, erfährt seit kurzem eine neuerliche Wertschätzung. Nach der 1795 erfolgten Eröffnung des Pariser Conservatoire erhielt die Schülerin Clementis und Dusseks die erste Professur für Klavier. Zuvor war sie knapp der Guillotine entronnen, nachdem sie denunziert und vor ein Revolutionstribunal gestellt worden war, aber aufgrund ihrer auch auf dem Gebiet der Improvisation herausragenden Fähigkeiten begnadigt wurde. Montgeroults Hauptwerk ist ihre um 1820 erschienene Klavierschule, die den Gesang zum Vorbild des Klavierspiels erklärt. 1811 in Genf als Teil einer Trias veröffentlicht, belegt die f-Moll-Sonate op. 5 Nr. 2 – die vorletzte von insgesamt neun Klaviersonaten Montgeroults – ihre Eigenständigkeit als Komponistin.
Béla Bartók war als Komponist und Pianist eine der zentralen Persönlichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts. In seiner 1926 entstandenen fünfsätzigen Suite Im Freien sucht und findet Bartók neue Klangwelten auch dank der freien Natur als Inspirationsquelle. Diese Natur kann sich im wichtigsten Stück, der Nr. 4 «Klänge der Nacht», ganz konkret lautmalerisch in geheimnisvollen Tierlauten artikulieren, doch Bartók zielte insbesondere im ersten und letzten Satz («Mit Trommeln und Pfeifen» bzw. «Hetzjagd») auch auf eine Entfesselung der Klänge. Dadurch wird das Klavier in ein Schlaginstrument oder sogar in eine bedrohliche Geräuschmaschine verwandelt, dem die zauberhafte «Barcarolla» und die barockisierenden «Musettes» als Kontraste gegenüberstehen. Aus seinem klavierpädagogischen Kompendium Mikrokosmos (1926–1939) hören wir drei Stücke, die im Lied, in der Bordun-Musik der Sackpfeife und in den Ostinato-Repetitionen drei Arten musikalischer Einfachheit aufzeigen.
Robert Schumanns Kreisleriana, komponiert 1838 und Chopin gewidmet, beziehen sich auf die gleichnamige Sammlung von zwölf Erzählungen und Essays, die E. T. A. Hoffmann zunächst als eine Folge von Zeitschriftentexten in den Jahren 1812–1814 und dann in Buchform als Teil der Fantasiestücke in Callot’s Manier (mit einer Vorrede von Jean Paul) publizierte. Die Kreisleriana üben bis heute auf Pianistinnen und Pianisten verschiedenster Prägung eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Denn Schumann schuf nicht nur eine kongeniale Analogie zur Zerrissenheit von Hoffmanns Kapellmeisters Kreisler (der auch den romantischen Künstler schlechthin verkörpert), sondern stiess aus dem Geist Bachs und Beethovens in zukünftige Klangwelten vor.
Prof. Dr. Wolfgang Rathert
Joseph Haydn 1732–1809
Klaviersonate Es-Dur Hob. XVI:38
Allegro moderato
Adagio
Finale. Allegro – Trio
Hélène de Montgeroult 1764–1836
Klaviersonate f-Moll op. 5 Nr. 2
Schweizer Erstaufführung
Allegro moderato con espressione
Aria con espressione
Agitato con fuoco
Béla Bartók 1881–1945
«Nóta» («Lied», Nr. 116), «Dudamuzsika» («Sackpfeifenmusik », Nr. 138) und «Ostinato» (Nr. 146)
aus Mikrokosmos Sz. 107
Im Freien Sz. 81
Mit Trommeln und Pfeifen
Barcarolla
Musettes
Klänge der Nacht
Hetzjagd
Robert Schumann 1810–1856
Kreisleriana op. 16
Äusserst bewegt
Sehr innig
Sehr aufgeregt
Sehr langsam
Sehr lebhaft
Sehr langsam
Sehr rasch
Schnell und spielend