Schaghajegh Nosrati | Klavier 2026

Thomas Blomenkamp: Barkarole (1988)
Johann Sebastian Bach: Partita Nr. 3 a-Moll BWV 827
Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo a-Moll KV 511
Franz Schubert: Klaviersonate A-Dur D 959

Klavierrezital 3 mit Schaghajegh Nosrati | Mittwoch, 15. Juli 2026, um 20 Uhr, Kirche Ernen

Dreimal die Tonart A – zweimal in Moll, einmal in Dur: Shaghajegh Nosrati widmet sich in ihrem vierten Erner Klavierabend einem der faszinierendsten Phänomene der tonalen Musik. Drei Meisterwerken von Bach, Mozart und Schubert, an denen sich der Unterschied zwischen den beiden Tongeschlechtern eindrucksvoll zeigen lässt, stellt sie mit Thomas Blomenkamps Barkarole ein aussergewöhnliches jüngeres Werk gegenüber. Es eröffnet eine ganze andere klangliche und spieltechnische Welt und beschreibt in seiner spiralartigen Entfaltung von scheinbar ins Unendliche strebenden Skalen einen Prozess der Entzweiung, der (wie der Komponist es selbst formulierte) «im Sog vom leisen Rinnsal ins tosende Meer treibt». Spätestens seit Schuberts Musik ist diese unaufhörliche Verwebung von Licht und Dunkel, Schmerz und Erlösung ein Thema, das von der Romantik bis in die Postmoderne reicht.

Für Johann Sebastian Bach gab es diesen Konflikt noch nicht: Seine sechs Partiten kennen zwar auch den Wechsel zwischen Moll und Dur, aber nicht innerhalb einer Partita. Mehr noch: Alle Sätze einer Partita sind in derselben Tonart gehalten, so dass der Kontrast zwischen ihnen auf andere Weise erzeugt werden muss, vor allem durch die verschiedenen Tanzcharaktere und die mit ihnen verbundenen Taktarten und rhythmischen Mustern aber auch über die Anzahl der Stimmen und den Wechsel zwischen (den überwiegenden) kontrapunktischen und einigen akkordischen Satzarten. Da keiner der sieben Sätze in Dur (also mit einer grossen statt kleinen Terz) endet, entsteht kein Gefühl für das Moll-Geschlecht – und soll es auch gar nicht, denn Bachs Musik ist keine Stimmungsmusik, sondern Lobpreis einer kosmischen Ordnung oder Harmonie.

In Mozarts Werk sind Stücke in Moll die Ausnahme, aber umso ausdrucksstärker und berühmter. Die grossen Werke in d-Moll (das Klavierkonzert KV 466, Don Giovanni, das Requiem) und c-Moll (die unvollendete grosse Messe KV 427, das Klavierkonzert c-Moll KV 491) gehören hierzu, bei den Klavierwerken die Sonaten a-Moll KV 310 und c-Moll KV 457, die Fantasien d-Moll KV 397 und c-Moll KV 475 und die beiden Einzelstücke Adagio h-Moll KV 540 und Rondo a-Moll KV 511. Letzteres entstand im März 1787 unter dem Eindruck des Todes eines Freundes und verwebt Moll und Dur zu einem unauflöslichen Ganzen, verweigert aber – anders als das Adagio h-Moll – eine tröstliche Auflösung in Dur.

Der Konflikt zwischen Dur und Moll wird von Beethoven und Schubert dann innerhalb einer Klaviersonate in der Tonartenwahl vor allem der langsamen Sätze genutzt, indem bei Dur-Sonaten in den langsamen Sätzen oft eine Moll-Tonart, bei Moll-Sonaten aber umgekehrt eine Dur-Tonart erscheint. Auch für Werkgruppen gilt dieses Prinzip bei Beethoven, da er jeweils zwei Sonaten in Dur und eine in Moll unter einer Opuszahl vereint. Und dies gilt auch für die Trias der jeweils letzten Sonaten beider Komponisten, Beethovens Opera 109–111 mit der Folge E-Dur, As-Dur und c-Moll und Schuberts D 958–960 mit der Folge c-Moll, A-Dur und B-Dur. Während uns Beethoven im letzten Satz von Opus 111 mit einem tröstlichen C-Dur verabschiedet, geschieht bei Schubert etwas geradezu Unheimliches: Das Dur verliert in den schnellen Sätzen durch den permanenten Beleuchtungs- und Stimmungswechsel zwischen Dur und Moll seine Funktion als heitere, unschuldige Tonart und wirkt verfremdet, während das fatalistisch-dramatische Andantino in fis-Moll uns auf das Tiefste berührt.

Prof. Dr. Wolfgang Rathert

Thomas Blomenkamp *1955
Barkarole (1988)

Johann Sebastian Bach 1685–1750
Partita Nr. 3 a-Moll BWV 827
Fantasia
Allemande
Corrente
Sarabande
Burlesca
Scherzo
Gigue

Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791
Rondo a-Moll KV 511
Andante

Franz Schubert 1797–1828
Klaviersonate A-Dur D 959
Allegro
Andantino
Scherzo. Allegro vivace – Trio
Rondo. Allegretto

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