Schumann | Trio Gaspard
Robert Schumann: Phantasiestücke op. 88
Joseph Haydn: Klaviertrio B-Dur Hob. XV:20
Giovanni Sollima: Hide in Trio (2026) – Uraufführung
Clara Schumann: Klaviertrio g-Moll op. 17
Kammerkonzert 3 im Rahmen von Kammermusik kompakt | Samstag, 4. Juli 2026, um 17 Uhr, Kirche Ernen
1842 erarbeitete sich Robert Schumann in intensivem Partiturstudium der Streichquartette Haydns und Mozarts die klassische Welt der Kammermusik – eine Arbeit, an der seine Ehefrau Clara grossen Anteil nahm. Robert schrieb in der Folge Streichquartette, das Klavierquintett und das Klavierquartett und schliesslich vier Sätze für Klaviertrio, die er zwar wohl als Einheit auffasste, denn die Tonarten verlaufen von a-Moll in der nachdenklichen Romanze über F-Dur in der kecken Humoreske, d-Moll im Duett, das an Mendelssohns Lieder ohne Worte erinnert, und wieder zu a-Moll bzw. A-Dur im Finale. Das Trio stellt aber keinen Sonatenzyklus wie die vorausgehenden Werke dar, und so zögerte Schumann, das Trio zu publizieren. Erst 1850 entschloss er sich, dies unter dem weniger gewichtigen Titel Phantasiestücke zu tun.
Demgegenüber ist das Trio g-Moll von Clara Schumann ein klassisch-mustergültiges Werk, das wie die Trios der Geschwister Mendelssohn in der Tradition Haydns, Mozarts und Beethovens fusst – so wollte Clara das 1846 komponierte Werk denn auch ihrer Freundin Fanny Hensel widmen, die jedoch vor der Publikation 1847 verstorben war. Dass Robert bis dahin kein grosses Klaviertrio komponiert hatte, erleichterte es Clara, sich ohne Vergleichszwang auf diesem Gebiet schöpferisch zu beschäftigen.
Das Werk überzeugt durch den gekonnten formalen Bau der Sätze mit langen Streicherkantilenen, dramatischen Bögen und einer immerwährenden Beherrschung und Eleganz. Das Trio wurde bei der Uraufführung in Wien, anders als Roberts Werke, begeistert aufgenommen – es war Claras zweite Wien-Tournee, nachdem sie 1838 zur K. K. Kammervirtuosin ernannt worden war, wofür sie sich mit einem Impromptu über Haydns «Kaiserlied» bedankte – und so passt es ganz gut, dass sich dessen Trio B-Dur zwischen die Hauptwerke der Schumanns schiebt, mit seinem brillanten Klavierpart im Kopfsatz, den schlichten Liedvariationen, dessen zweistimmiges Thema gemäss Haydns Anweisung explizit mit der linken Hand alleine gespielt werden soll, und dem finalen Menuett, dessen Trio ein melancholischer Ländler in der seltenen Tonart b-Moll ist.
Jonathan Inniger
Robert Schumann 1810–1856
Phantasiestücke op. 88
Romanze. Nicht schnell, mit innigem Ausdruck
Humorekse. Lebhaft
Duett. Langsam und mit Ausdruck
Finale. Im Marschtempo
Joseph Haydn 1732–1809
Klaviertrio B-Dur Hob. XV:20
Allegro
Andante cantabile
Finale. Allegro
Giovanni Sollima *1962
Hide in Trio (2026)
Uraufführung
Clara Schumann 1819–1896
Klaviertrio g-Moll op. 17
Allegro moderato
Scherzo – Tempo di menuetto
Andante – Più animato
Allegretto
Trio Gaspard:
Jonian Ilias Kadesha, Violine
Vashti Hunter, Violoncello
Nicholas Rimmer, Klavier
Wie schon 2024 umspannt das dichte Wochenend-Programm mit dem Trio Gaspard Anfang Juli 2026 die gesamte Klaviertrio-Geschichte vom prägenden Übervater Joseph Haydn bis zur Uraufführung eines Werks von Giovanni Sollima. Dabei erklingen neben den Klaviertrio-Klassikern wie Beethoven, Schubert, Robert und Clara Schumann, Dvořák und Fauré auch seltener gehörte Werke aus der umfangreichen Klaviertrio-Literatur: Vertreten ist der Vater der französischen Kammermusik, Camille Saint-Saëns, ebenso wie seine Pariser Kolleg*innen Lili Boulanger, Mel Bonis – die als Erner «Composer to Discover» mit ihrem Gesamtwerk für Klaviertrio vertreten ist –, deren Klassenkamerad Claude Debussy sowie die über viele Jahre in Paris lebenden Joaquín Turina und Bohuslav Martinů. Zudem kommt neben dem folkloristisch gefärbten Trio des Armeniers Arno Babadschanjan auch das Opus 1 des Wiener Wunderkindes Erich Wolfgang Korngold zur Aufführung, kontrastiert durch Musik des Jahrhundert-Violinisten Fritz Kreisler.