Die Wirbelwinde kommen aus Südafrika

Es ist noch lange nicht Halbzeit bei am Festival Musikdorf Ernen, und schon hat ein weiterer Höhepunkt für Furore gesorgt: beim Auftritt von Charl du Plessis mit seinem Trio und dem südafrikanischen Opernsänger Levy Sekgapane war es um das Publikum geschehen. Es schoss von den harten Bänken in der Kirche St. Georg in die Höhe und bedankte sich bei den Musikvirtuosen mit tosendem Applaus.

Schon wenn die Künstler auf der Kirchenbühne ihre Plätze einnehmen, Peter Auret am Schlagzeug, Werner Spies am elektrischen Kontrabass und Charl du Plessis am Flügel, steigt die Stimmung. Seit 20 Jahren performt das Trio in der Kirche und die Habituées wissen unterdessen, wie das reiche Programm zu lesen ist: wenn da zum Beispiel steht: Wolfgang Amadeus Mozart «Dies Bildnis ist bezaubernd schön», eine Arie des Tamino aus der Zauberflöte, dann wissen wohl alle, dass da nicht nur Mozart drinsteckt.

Der Tenor Levy Sekgapane bleibt schön bei der Originalmelodie, währen du Plessis für sein Trio eine jazzartige Begleitmusik arrangiert hat, die «dieses Bildnis» in andere Sphären führt. Oder wenn Ludwig van Beethovens «Ode an die Freude» angesagt ist, dann hören wir ein Arrangement von Peter Auret, der die Originalmusik immer wieder nur kurz in seine Komposition einfliessen lässt und man eben doch das Gefühl hat, bei Beethoven gewesen zu sein.

Die Musik ist von einer eigenwilligen und einladenden Stimmung geprägt, darin mischen sich verschiedenste Musikstile von Latin über Swing, von Klassik zu Funk. Alle drei Triomitglieder steuern Arrangements bei, und Charl du Plessis mit den schnellen Fingern, wartet jedes Jahr auch mit eigenen, überraschenden Kompositionen auf. Das Ensemble bietet dadurch etwas ganz Einzigartiges.

Und was für eine Freude, den drei Musikern zuzuschauen. Wenn sich der Rücken von Charl du Plessis versteift, weil er mit grossem Genuss mehrmals hintereinander die gleichen Akkorde in die Tasten haut, immer in Augenkontakt mit seinen Freunden, wie er mit dem rechten Bein neben dem Pedal, das ja normalerweise die Füsse der Klavierspieler magisch anzieht und sie es manchmal über die Massen einsetzen, wenn also Charl seinen Fuss in schwarzen Lackschuhen ununterbrochen neben dem Pedal den Rhythmus schlagen lässt, dann weiss man, warum man in der Kirche sitzt.

Und das Zusammenspiel ist einmalig: diese Rücksichtnahme auf die andern, die perfekten Einsätze, die Feinfühligkeit vom Schlagzeuger, variantenreich und konzentriert.

Und dann ist der Pianist ein wahrhaftiger Unterhalter. Sagt zum Beispiel: «Wir spielen verschiedene Bachs, aber nicht Offenbach», das Trio spielt eine Zugabe «gratis», oder er stellt den schlanken Kontrabassisten Werner Spies vor, der «seit 20 Jahren kein Kilogramm zugenommen hat».

Es darf gelacht werden. Und die Leichtigkeit des Seins ist während des Konzertes auch auf den Sänger Levy Sekgapane hinübergesprungen. Seine Lieder wurden bald unbeschwerter, die eher steife Haltung ist verschwunden. Ja, am Ende absolvierte er seinen Part fröhlich und zufrieden, die Hände in den Hosentaschen. Mir schien, er wurde von der Begeisterung des Publikums überrascht.

Was wäre das Musikdorf Ernen ohne den ungarischen Pianisten und Pädagogen György Sebők, der sich vor gut 50 Jahren dem Reiz des wunderbaren Bergdorfs nicht entziehen konnte und schliesslich mit seinen Meisterkursen den Grundstein zu diesem Festival legte. Auch Charl du Plessis durfte hier von Sebők lernen.

2006 gründete er dann sein eigenes Trio und gibt seither alle Jahre wieder seine Konzerte im Musikdorf Ernen. Wir warten geduldig auf das nächste Jahr.

Madeleine Hirsiger, Ernen, 29. Juli 2026

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