Im Festrausch | Kammermusikfest 2026
Franz Schubert: Introduktion und Rondo A-Dur für Violine und Streichorchester D 438
Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert Es-Dur für Klavier und Streichorchester KV 449
George Enescu: Oktett C-Dur für Streicher op. 7
Orchesterkonzert 2 | Freitag, 14. August 2026, um 20 Uhr, Kirche Ernen
Drei zumindest teilweise wienerische Werke, geschrieben von jungen Komponisten noch vor ihrem 20. Geburtstag, machen das finale Orchesterkonzert zu einem musikalischen Festrausch, in dem die Energie nur so überströmt. In dem Programm kommen viele Aspekte der davorliegenden zwei Wochen zusammen, angefangen mit der Violine als Soloinstrument (Orchesterkonzert 1), die nun von Franz Schubert in Szene gesetzt wird. In seinem Rondo A-Dur folgen einer eleganten Introduktion ein wienerisch kapriziöses Thema, ein einfacheres Tanzthema und ein rauschendes Orchestertutti, die zwischen virtuosen Solo-Passagen immer wieder auftauchen. Das Werk entstand im Sommer 1816 – gewissermassen Schuberts «Mozartjahr», in dem er Mozarts Kammermusik für sich entdeckte, vor allem das Streichquintett g-Moll, dessen Finale auch ein Rondo mit langsamer Einleitung ist. Am 13. Juni schrieb er in sein Tagebuch: «Ein heller, lichter, schöner Tag wird dieser durch mein ganzes Leben bleiben. […] So bleiben uns diese schönen Abdrücke in der Seele, […] die wohltätig auf unser Dasein wirken. Sie zeigen uns in den Finsternissen dieses Lebens eine lichte, helle, schöne Ferne, worauf wir mit Zuversicht hoffen. O Mozart, unsterblicher Mozart, wie viele, o wie unendlich viele solche wohltätige Abdrücke eines lichteren, besseren Lebens hast du in unsere Seelen geprägt!»
Es war die ungenügende Bezahlung (– Cash-Flow, ein Flow, der bisher kaum zur Sprache kam! –), die Wolfgang Amadeus Mozart 1781 dazu veranlasste, Salzburg zu verlassen und sich in Wien selbständig zu machen. Guten Mutes schrieb er an seinen Vater in Salzburg, sein Fach (das Klavierspiel) sei doch zu beliebt, als dass er hier seinen Lebensunterhalt damit nicht bestreiten könnte, denn Wien sei ja «das Klavierland». Ein Standbein sollte der Notenverkauf von Klavierkonzerten sein. Das 1784 vollendete Konzert Es-Dur ist das letzte dieser Reihe von Konzerten mit Bläserstimmen ad libitum, die ebenso vom Orchester wie à quattro (mit Streichquartett) begleitet werden können. Der majestätisch einsetzende erste Satz besticht in seiner Ambiguität von Dur und Moll, während die exquisite Schönheit des zweiten Satzes in der für Mozart typischen Mischung aus subtiler Melancholie und himmlischer Gelöstheit liegt. Der kontrapunktische Finalsatz verweist auf Mozarts Studium der Werke Bachs und Händels beim Baron van Swieten in diesen Jahren, woraus auch die Streichtrio-Transkriptionen (Festkonzert 3) resultierten.
Mit George Enescus Oktett steht erneut ein zum Streichorchester erweitertes Pariser Kammermusikwerk der Zeit um 1900 auf dem Programm – nach Ravels Streichquartett (Orchesterkonzert 1) ist es nun ein doppeltes Streichquartett, in dem Enescu die Lehren André Gedalges anwandte, dessen Kontrapunkt-Kurse Enescu gemeinsam mit Ravel besuchte. Zuvor hatte sich Enescu in Wien zum virtuosen Geiger ausgebildet, in unmittelbarer Nähe zu Mahler, Zemlinsky, Korngold und Schönberg, bevor er als 14-Jähriger nach Paris weiterzog. Enescu sagte von sich, er sei «von Natur aus ein Polyphonist, kein Advokat hübscher Akkordfolgen. Es graust mich vor allem, was stagniert.» Diesen Flow der musikalischen Linien verwirklicht Enescu in seinem Oktett – einem Werk, das im Grunde gänzlich aus der elegant elegischen Anfangsmelodie entwickelt ist und dessen vier Sätze übergeordnet als grosser Sonatensatz konstruiert sind: Nach der Exposition von drei Themenkomplexen (1. Satz) folgen ein explosives Fugato (Très fougueux) und eine Art Nocturne (Lentement) als Durchführung, bevor die Reprise als wilder Walzer (Mouvement de valse bien rythmé) alles bisher Gehörte in kühnster Kontrapunktik zusammenbringt.
Jonathan Inniger
Franz Schubert 1797–1828
Introduktion und Rondo A-Dur für Violine und Streichorchester D 438
Chiara Sannicandro, Violine
Wolfgang Amadeus Mozart 1756–1791
Konzert Es-Dur für Klavier und Streichorchester KV 449
Allegro vivace
Andantino
Allegro ma non troppo
Alasdair Beatson, Klavier
Pause
George Enescu 1881–1955
Oktett C-Dur für Streicher op. 7
Bearbeitung für Streichorchester
Très modéré
Très fougeux
Lentement
Mouvement de valse bien rythmée
Festivalorchester
Konzertmeister: Daniel Bard