Märchen | Trio Gaspard
Arno Babadschanjan: Klaviertrio fis-Moll (1952)
Mel Bonis: Soir op. 192
Franz Schubert: Klaviertrio Nr. 1 B-Dur D 898
Kammerkonzert 5 im Rahmen von Kammermusik kompakt | Sonntag, 5. Juli 2026, um 11 Uhr, Kirche Ernen
Zugegeben, der Reflex, Arno Babadschanjans Trio fis-Moll mit märchenhaften Bildern zu assoziieren, muss sich den Vorwurf des unzulässigen Exotismus gefallen lassen. Doch sind die drei mit folkloristischen Eigenheiten angereicherten Sätze so bildgewaltig und ausdrucksstark, dass eine gezielte Erzählhaltung nicht von der Hand zu weisen ist – vom mystischen Anfang des später klanglich üppigen Kopfsatzes über das zauberhaft schwebende Andante zum wilden Tanz des Finales im unregelmässigen 5/8-Takt.
Babadschanjan schrieb sein Trio 1952 nach seiner Rückkehr ans Konservatorium von Jerewan. Er war der Nachfolger Chatschaturjans als wichtigster sowjetisch-armenischer Komponist und wurde von Mstislav Rostropowitsch als «brillanten Komponisten, feurigen Pianisten, geliebten Nachbar und ergebener Freund» bezeichnet, der «einen bedeutenden Beitrag zur Musik unserer Zeit» leistete.
Das Charakterstück Soir op. 194 von Mel Bonis – möglicherweise als Ersatz für das gleichnamige Stück in Soir – Matin op. 76 (Kammerkonzert 4) gedacht – kreiert mit seinen delikaten Harmonien eine charakteristische Abendstimmung, die unsere märchenhafte Fantasie weiter anregt und uns durch die kurze Besinnung auf Franz Schuberts monumentales Trio B-Dur vorbereitet.
Geschrieben in seinem letzten Lebensjahr, begegnete Schubert dem Interesse von Verlegern an seinen Werken (Schott in Mainz und Probst in Leipzig) mit Eifer und konnte es kaum erwarten, dass seine Werke einem grösseren Publikum zugänglich werden. So strahlt der Kopfsatz eine bemerkenswerte Frische aus, gefolgt von einem intimen Duett der Streicher im Andante, einem munteren Scherzo und einem tänzerischen Rondo-Finale – einem dieser Finalsätze Schuberts, in denen ein simples Tanzthema einen Satz von riesenhaftem Umfang nach sich zieht.
Jonathan Inniger
Arno Babadschanjan 1921–1983
Klaviertrio fis-Moll (1952)
Largo-Allegro moderato
Andante
Allegro vivace
Mel Bonis 1858–1937
Soir op. 192
Franz Schubert 1797–1828
Klaviertrio B-Dur D 898
Allegro moderato
Andante un poco mosso
Scherzo. Allegro
Rondo. Allegro vivace
Trio Gaspard:
Jonian Ilias Kadesha, Violine
Vashti Hunter, Violoncello
Nicholas Rimmer, Klavier
Wie schon 2024 umspannt das dichte Wochenend-Programm mit dem Trio Gaspard Anfang Juli 2026 die gesamte Klaviertrio-Geschichte vom prägenden Übervater Joseph Haydn bis zur Uraufführung eines Werks von Giovanni Sollima. Dabei erklingen neben den Klaviertrio-Klassikern wie Beethoven, Schubert, Robert und Clara Schumann, Dvořák und Fauré auch seltener gehörte Werke aus der umfangreichen Klaviertrio-Literatur: Vertreten ist der Vater der französischen Kammermusik, Camille Saint-Saëns, ebenso wie seine Pariser Kolleg*innen Lili Boulanger, Mel Bonis – die als Erner «Composer to Discover» mit ihrem Gesamtwerk für Klaviertrio vertreten ist –, deren Klassenkamerad Claude Debussy sowie die über viele Jahre in Paris lebenden Joaquín Turina und Bohuslav Martinů. Zudem kommt neben dem folkloristisch gefärbten Trio des Armeniers Arno Babadschanjan auch das Opus 1 des Wiener Wunderkindes Erich Wolfgang Korngold zur Aufführung, kontrastiert durch Musik des Jahrhundert-Violinisten Fritz Kreisler.