Manoush Toth | Newcomers 2026
Francis Poulenc: Les soirées de Nazelles FP 84
Ludwig van Beethoven: Klaviersonate G-Dur op. 31 Nr. 1
Robert Schumann: Faschingsschwank aus Wien op. 26
Sonntag, 13. September 2026, um 11 Uhr, Tellenhaus Ernen
Das Rezital von Manoush Toth verbindet drei Werke voller Esprit, Witz und Leichtigkeit. Francis Poulencs Soirées de Nazelles entstanden ab 1930 an gemütlichen Abenden in der Touraine im Landhaus der als «Tante» bezeichneten Freundin Virginie Liénard (1845–1935), deren geistvoller Charakter in der Variation 8 zum Ausdruck kommt. Die Variationen sind musikalische Porträts, «irgendwo zwischen Improvisation und fertigem Werk» (Poulenc). Es sind keine Variationen im klassischen Sinne, sondern musikalische Charakterstücke im Geiste von Couperins Folies françaises – Poulenc zog auch den Titel Carnaval de Nazelles in Betracht und rückt die Musik damit in die Nähe von Robert Schumanns Carnaval op. 9 oder dem Faschingsschwank aus Wien, der 1839 im Nachgang seines erfolglosen Wien-Aufenthalts entstanden ist.
Schumann scheiterte in Wien auch an den reaktionären Zensurbestimmungen bezüglich der Herausgabe seiner Neuen Zeitschrift für Musik, so zeigt sich das Zitat der zu dieser Zeit in Wien wohl verbotenen Marseillaise – die gegen Ende des ersten Satzes im Fortissimo gedonnert wird – als Akt des künstlerischen Protests. Der Faschingsschwank ist aber insgesamt ein heiteres Werk mit temperamentvollem Kopfsatz, sentimentaler Romanze, farbenfrohem Scherzino, drängend-leidenschaftlichem Intermezzo und feurigem Finale.
In ähnlich leichtem Charakter zeigt sich Beethovens 1798/99 entstandene Sonate G-Dur mit dem unbeschwert singenden Kopfsatz, dem Andante mit seinen Variationen über einen Marsch, in dem eher Spielfiguren als echte Soldaten verkörpert sind, sowie dem rhythmisch verspielten Scherzo-Finale.
Jonathan Inniger
Francis Poulenc 1899–1963
Les soirées de Nazelles FP 84
Préambule. Extrêmement animé et décidé
Var. 1. Le comble de la distinction. Vif et gai
Var. 2. Le coeur sur la main. Modéré
Var. 3. La désinvolture et la discrétion. Presto
Var. 4. La suite dans les idées. Très large et pompeux
Var. 5. Le charme enjôleur. Très allant
Var. 6. Le contentement de soi. Très vite et très sec
Var. 7. Le goût du malheur. Lent et mélancolique
Var. 8. L’alerte vieillesse. Très rapide et bien sec
Cadence. Très large et très librement
Final. Follement vite, mais très précis
Ludwig van Beethoven 1770–1827
Klaviersonate G-Dur op. 31 Nr. 1
Allegro vivace
Adagio grazioso
Rondo. Allegro
Robert Schumann 1810–1856
Faschingsschwank aus Wien op. 26
Allegro. Sehr lebhaft
Romanze. Ziemlich langsam
Scherzino
Intermezzo. Mit grösster Energie
Finale. Höchst lebhaft
Manoush Toth, Klavier