Im Flow in die Zukunft | Die 53. Konzertsaison 2026
Jonathan Inniger ist als Intendant neu für das künstlerische Programm im Musikdorf verantwortlich. Mit dem Thema seiner ersten Festivalausgabe («Im Flow») zeigt er, dass er die gute Energie der letzten Jahre im Musikdorf mitnehmen und an die vielen positiven Entwicklungen anknüpfen will.
Jonathan Inniger ist voller Tatendrang, Ideen und Optimismus. Der 31-Jährige leitet neu die Geschicke des Festivals im Musikdorf. Seine Wohnung in Ernen hat der gebürtige Berner längst bezogen. «Ich bin angekommen», sagt er und strahlt mit der Sonne um die Wette. Er ist ein Glücksfall für das traditionsreiche Klassikfestival. Inniger ist sowohl ausgebildeter Musiker als auch Kulturmanager. Das sind beste Voraussetzungen für die Weiterführung des Festivals in eine erfolgreiche Zukunft.
Die Strukturen im Musikdorf seien übersichtlich. Deshalb würden die Aufgaben nicht wie anderswo aufgeteilt. «Der künstlerische Leiter ist auch Geschäftsführer. Das bedeutet: Ich kümmere mich um alles.» Fast alles. Abgesehen davon, dass ihn der Vereinspräsident und Ex-Intendant Francesco Walter weiterhin tatkräftig unterstützt, stellt Inniger auch nicht die Werke für einzelnen Konzerte zusammen. Das überlässt er den geladenen Musikerinnen und Musikern. «Wenn sie spielen dürfen, was sie am liebsten spielen, dann stehen sie mit ihrem Herzblut hinter den Programmen.» Er gebe das Festivalthema vor und signalisiere grosse Offenheit für weniger bekanntes Repertoire oder spannende, unbekannte Komponistinnen.
Vermitteln und sichtbar machen
Wie Mel Bonis (1858–1937), deren erstklassiges Werk selbst vielen eingefleischten Klassik-Fans noch unbekannt ist. Inniger wird mit ihr das neu geschaffene Programmgefäss «Composer to Discover» eröffnen. Danach sollen jährlich weitere herausragende Komponistinnen der Vergangenheit vorgestellt werden. Es gehe ihm dabei nicht um Quoten. «Mich interessiert die Qualität», sagt der Intendant. Das strukturelle historische Ungleichgewicht der Geschlechter in der Musik sei eine Tatsache.
Als Intendant habe er das Privileg, eine Konzertsaison über mehrere Monate gestalten zu dürfen. Deshalb sei es für ihn ein persönliches Anliegen, eine gute Balance zu finden. Zum Beispiel so: «Während Klavier kompakt steht mit András Schiff ein grosser arrivierter Künstler im Fokus von sechs Rezitals. In der Klavierwoche präsentieren wir dann schwerpunktmässig herausragende junge Pianistinnen.»
Vielfältige Nachwuchsförderung
Inniger sieht Ernen als eine Nische. «Beim Wettbewerb unter den Klassikfestivals – grösser, höher, spektakulärer – machen wir nicht mit.» Es gebe genug Menschen, die Konzerterlebnisse schätzen, in denen allein die Musik zählt. Für die Musikerinnen und Musiker, die in Ernen auftreten, möchte er professionelle Rahmenbedingungen, faire Gagen und eine wertschätzende Kommunikation sicherstellen. Zudem sei ihm eine nachhaltige Förderung wichtig. «Wir begleiten junge Musikerinnen und Musiker auf ihrem Weg über eine längere Zeit. Gerne laden wir sie mehrmals ein, vielleicht sogar in verschiedenen Formaten. Das ist auch ein Mehrwert für das Publikum.»
Er selber liebe über alle Epochen hinweg ganz unterschiedliche Musik. «Jede Musik, die mich berührt, fasziniert oder überrascht, kann eine Lieblingsmusik sein.» Er werde in Ernen Wert auf beides legen, auf traditionelle und gemischte Programme mit neuen Werken. «Nicht alle lieben das Gleiche. Aber den Vorgang, Musik für sich zu entdecken, kann ich unserem Publikum nicht abnehmen. Das ist ein individueller Prozess, der zuerst einmal viel Vertrauen voraussetzt.» Inniger will aber dafür sorgen, dass das Publikum seine Offenheit nicht bereut.
Energien synchronisieren
Das Thema seiner ersten Festivalausgabe lautet «Im Flow» und spiegelt sich in der Jahresfarbe, einem leuchtenden Grünblau, mit dem Wasser als erste Assoziation. Für Inniger bedeutet es aber mehr. «Der Aspekt des Fliessens ist für mich die Kontinuität. Ich möchte kommunizieren, dass es unter dem neuen Intendanten weitergeht in Ernen.» Natürlich könne «Im Flow» auch mit musikalischen Aspekten in Verbindung gebracht werden. «Wenn der Flow-Zustand beim Musizieren oder Musikhören eintritt, dann werden Energien synchronisiert. Es bedeutet höchste Konzentration und hundertprozentiges Eintauchen in eine Aktivität. Für mich sind Flow-Momente die Glücksmomente in der Musik.»
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